Kluge Entscheidungen treffen – Wie geht das?

Kluge Entscheidungen treffen

Vor kurzem habe ich in einer Serie die Aussage gehört “Man weiß nicht, was einen erwartet, bis man einfach reinspringt!”. Diese Aussage kam mir irgendwie sehr willkürlich vor. Denn eigentlich sollte man wissen, wo man reinspringt, bevor man zum Sprung ansetzt. Mein Hund Ylvi sieht das genauso… zumindest seitdem sie in einen reissenden Fluss gesprungen ist, der links und rechts Betonwände und vorne einen Wasserfall hatte. Zum Glück hat ihr Herrli ein Schlupfloch für sie gefunden.

Wie trifft man aber kluge Entscheidungen, die man nicht bereuen muss?

An dieser Stelle kommt oft das Bauchgefühl zur Sprache. Ich bin sicher, du kennst folgende Situation: Du hast eine Entscheidung getroffen, sie hat sich einige Zeit später als falsch herausgestellt und du dachtest: “Eigentlich hatte ich eh das richtige Bauchgefühl und hab nur nicht drauf geht!”.

Ist Bauchgefühl nicht vielleicht der unterbewusste Verstand?

Kluge Entscheidungen treffenViele Menschen glauben deshalb, nach Bauchgefühl zu entscheiden, ist die allerbeste Methode, da das Bauchgefühl sich im Nachhinein ja immer als richtig erwiesen hat. Dass man im Nachhinein meist schlauer ist, ist allerdings kein Zufall. Denn das bedeutet nur, dass man im zukünftigen Jetzt die langfristigen Konsequenzen seiner Entscheidung trägt.

Ja wer hätte das denn voraus ahnen können? Dein Verstand! Nur dein Verstand ist in der Lage, langfristig zu denken und in die Zukunft zu schauen. Dein Gefühl hingegen ist immer kurzfristig und auf die Annehmlichkeiten der Gegenwart fixiert.

Das Bauchgefühl, das dich beim Treffen der Entscheidung gewarnt hat, und das du im obigen Beispiel ignoriert hast, war also in Wahrheit dein Verstand, den du übergangen hast. Er wollte dich dazu auffordern, die Möglichkeiten abzuwägen und genauer über deine Entscheidung nachzudenken, anstatt sie auf Basis einer Laune zu treffen.

Emotionale Entscheidungen sind kurzfristig

Vielleicht bist du hin und wieder versucht zu glauben, dass in jede wichtige Entscheidung eine Portion Gefühl dazugehört. Aber was ist Gefühl eigentlich? Gefühle sind an die Gegenwart gekoppelt. Sie möchten sich JETZT gut fühlen und alles Schlechte vermeiden. Was in der Zukunft los ist, kümmert sie nicht.

Mischt du also Gefühle in deine Entscheidungen, gerätst du mit deinem Verstand in Konflikt, der das Beste sowohl für deine Gegenwart als auch für deine Zukunft möchte.

4 Arten von Entscheidungen

1 Fühlt sich jetzt gut an und ist auch in der Zukunft gut: Einen Beruf ausüben, der dir Spaß macht und langfristig einen höheren Sinn ergibt

2 Fühlt sich jetzt schlecht an, ist aber in der Zukunft gut: Sport, Verzicht auf Donuts

3 Fühlt sich jetzt gut an, ist aber in der Zukunft schlecht: Die Abwesenheit von Sport, zu viel Donuts, Rauchen

4 Fühlt sich jetzt schlecht an und ist auch in der Zukunft schlecht: Einen Beruf ausüben, der eine Qual ist und auch zukünftig keinen Sinn ergibt.

Welche Beispiele fallen dir noch ein, wenn du sie auf dein Leben anwendest?

Viele Menschen treffen Entscheidungen danach, wie gut sie sich gerade anfühlen und denken dabei leider nicht an ihre Zukunft. Die klügsten Entscheidungen sind die, die sich sowohl in der Gegenwart gut anfühlen, als auch für die Zukunft einen Sinn ergeben (1) oder die sich gegenwärtig vielleicht nicht so gut anfühlen, sich dafür später umso mehr lohnen (2).

Manchmal muss man heute in die Zitrone beißen und über seine gegenwärtigen Gefühle hinwegsehen, damit man in der Zukunft Limonade haben kann.

Ziele und Werte

Bevor du überhaupt Entscheidungen treffen kannst, brauchst du natürlich ein Ziel. Denn sonst weißt du ja nicht, ob diese Entscheidung gut oder schlecht für deine Zukunft ist, also mit deinen Zielen vereinbar oder nicht. Auch deine Werte spielen eine tragende Rolle bei jeder Entscheidung, denn wenn du gegen deine eigenen Prinzipien handelst, kann das böse enden.

Six Human Needs

Die 6 Human Needs wurden von Tony Robbins entwickelt. Jeder Mensch muss einen gewissen Grad dieser Bedürfnisse erfüllt haben, um glücklich zu sein.

Connection: Wie sehr du dich zugehörig zu und verbunden mit anderen Menschen fühlst

Contribution: Wie sehr du einen höheren Sinn in deinem Leben siehst und wie viel Beitrag du leistest

Significance: Wie sehr du das Gefühl hast, einen Unterscheid zu machen, einzigartig und besonders zu sein

Uncertainty: Wie sehr du Abwechslung und Herausforderungen in deinem Leben hast, wieviel Freiheit du hast

Certainty: Wie sicher und stabil du dich in deinem Leben fühlst

Growth: Wie sehr du dich weiterentwickelst

Bei jeder Entscheidung, die du triffst, kannst du dich fragen, in wie fern sie diese 6 stärksten Bedürfnisse eines Menschen erfüllt. Ich finde das ziemlich cool, weil es quasi eine Formel ist, mit der man Entscheidungen AUSRECHNEN kann. Sowas wollte ich immer schon haben 🙂

Jeden Punkt kannst du mit einer Zahl von 1-10 bewerten, nach dem Grad, wie sehr der Punkt bei deiner Entscheidung erfüllt wird. Sehr interessant wird es, wenn du deine vergangenen Entscheidungen betrachtest und noch einmal mit dieser Methode durchgehst. Wenn sie falsch waren ist es sehr wahrscheinlich, dass sie kaum einen der 6 Human Needs erfüllt haben.

Eine Alternative gegenüberstellen

Bei meinen Entscheidungen ist mir manchmal aufgefallen, dass ich zwar dachte, ja ok, das wäre möglich, das könnte ich machen… aber woher weiß ich, ob das richtig ist? Dann habe ich erkannt, dass es viel schwieriger ist, eine Ja/Nein Entscheidung zu treffen, als eine Entweder/Oder Entscheidung.

Den Unterschied erkennst du gleich an der Fragestellung:
Ja/Nein: Soll ich das machen oder nicht?
Entweder/Oder: Soll ich X oder Y machen?

Wenn du etwa überlegst, ob du dich selbständig machen sollst, dann überlege dir, was die Alternative, also das “oder nicht”, ist. Nämlich zum Beispiel dein Potential zu verschwenden oder einen qualvollen Job auszuüben.

Es gibt immer eine Alternative in einer Entscheidung, denn bei einer Ent-scheidung, können wir nicht beides haben. Wir müssen das grüne Twinni-Eis wegschmeissen, damit wir das orange Twinni-Eis essen dürfen. Du KANNST nicht beide Twinnis haben… !

Das “oder nicht” bei der Ja/Nein Entscheidung bedeutet also eigentlich eine weitere Alternative, die man sich ausdenken kann, um die Optionen besser gegeneinander abwägen zu können. Das wird besonders dann interessant, wenn man es mit den 6 Human Needs verbindet und die einzelnen Punkten mit Zahlen bewertet. Auf diese Weise kann man sich selbst beweisen, dass man richtig liegt.

Vertraute befragen

Auch ein enger Kreis mit vertrauten Personen kann dich dabei unterstützen, deine Entscheidung zu treffen. Dabei geht es nicht darum, dass sie dir deine Entscheidung abnehmen, sondern dass sie dir dabei helfen, die Situation aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten, dich an deine Werte und Ziele zu erinnern oder alternative Möglichkeiten auszutüfteln.

Bei der Wahl deiner engeren Vertrauten, die du bei Entscheidungen zu Rate ziehst, solltest du unbedingt darauf achten, dass die Personen wissen, wovon sie sprechen. Wenn dir jemand Tipps zum Thema Selbständigkeit gibt oder dir davon abrät, der selbst aber angestellt oder vielleicht sogar arbeitslos ist, dann solltest du in deinem eigenen Interesse lieber auf dich, anstatt auf diese Person hören und eventuell sogar das Gegenteil von dem annehmen, was sie gesagt hat.

Entscheidungen treffen ist rationale Arbeit

Wie du siehst, ist Entscheidungen treffen ein Thema, mit dem man sich schon mal länger auseinander setzen kann. Je leichter du es dir beim Entscheidungen treffen machst, ohne zu überlegen, desto eher gerät dein Leben ins Chaos. Je besser du jedoch deine Ziele und Werte definierst, desto schneller und sicherer kannst du auch Entscheidungen treffen.

Bleib in jedem Fall dabei rational und lass deine Emotionen weg, denn nur so stellst du sicher, dass du kluge Entscheidungen für die Gegenwart und Zukunft triffst.

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