Entspannung müsste nicht sein

Tun statt meditieren

Es ist für mich alles dasselbe: Arbeiten, Spielen, Entspannen, sich erholen und regenerieren, etwas produzieren. Das hat alles die selbe Basis: Freude an dem, was man tut.

Sich entspannen bedeutet ja, dass man dafür sorgen muss, dass dort, wo gerade unangenehme Spannung ist, keine Spannung mehr ist. Meditieren heißt also, dass ich etwas tue, was ich sonst nicht tun würde, damit es mir wieder besser geht. Dafür gibt es dann Yoga, Meditation, Qi Gong und andere Hobbies. Das finde ich irgendwie paradox. Weil man sogar seine Freizeit dann mit Dingen füllt, die man ja eigentlich auch nicht machen würde, sondern nur tut, weil man sich entspannen muss.

Ich habe einige Zeit Meditation und Qi Gong gemacht. Also wenn es mir schlecht ging, hab ich mich ins Bett gelegt und meditiert. Davon ging es mir aber auch nicht besser. Oder ich habe Qi Gong Übungen gemacht. Schnell habe ich diese Dinge dann damit assoziert, dass es mir schlecht geht und wenn ich dann meditiert habe, war das quasi ein Eingeständnis und eine Vergegenwärtigung davon, dass es mir nicht gut geht, wodurch dieser Zustand nur noch schlimmer wurde, weil er sich selbst bestätigt hat.

Und dann, als es mir wieder gut ging, hab ich nicht mehr meditiert. Mir ging es aber nicht vom meditieren besser. Vielleicht währenddessen ein bisschen – aber auch nicht wirklich. Sondern mir geht es erst seitdem gut, seitdem ich nur mehr mache, was mir grundlegend Freude bereitet. Ich sah keinen Sinn darin, jeden Tag Dinge zu tun, die ich nicht tun will und mich dann in meiner Freizeit ins Bett zu legen, um zu meditieren.

Das Bild mit den Steinen find ich ziemlich gut, weil es zeigt, dass irgendjemand etwas getan hat. Es sieht aus wie ein Spiel 🙂 Diese Steine wurden nicht durch Gedankenkraft oder Astralreisen übereinander gelegt, sondern durch Freude am Tun. Ich kann mir gut vorstellen, dass das sehr entspannend war.

Meditieren ist so unproduktiv

Es entsteht dabei nichts. Und das soll ja auch so sein. Man soll im Nichts sein, nur die Gegenwart zählt, nur der Moment wird beachtet, keine Gedanken an die Gegenwart oder an die Zukunft. Das ist ja an sich schon mal nicht schlecht, wenn man nicht dauernd angestrengt nachdenkt.

Ich für mich habe aber herausgefunden, dass man diesen entspannten Zustand der Grübellosigkeit auch viel leichter erreichen kann – nämlich, wenn man etwas tut.

Da meditieren ja Nichts-Tun in Reinstform ist, fällt es den Leuten auch so schwer, ihre Gedanken nicht abschweifen zu lassen. Als Gegenmaßnahme sagt man dann, man “nimmt den Gedanken an” und “lässt ihn weiterziehen”. Hast du schon mal versucht, einen Gedanken weiterziehen zu lassen? Viel Spaß dabei. Je mehr du es versuchst, desto mehr bleibt er genau dort, wo er ist. Und wenn du es nicht versuchst, dann kommen deine Gedanken vom 100. ins 1000.

Ich habe fast das Gefühl, dass meditieren gefährlich sein könnte. Denn es soll lehren, dass man nicht denkt und nicht tut. Wo soll das hinführen, außer ins Nirvana? Ist es nicht vielleicht so, dass man dadurch noch viel eher dazu geneigt ist, mit dem realen Leben schlechter klar zukommen, weil man sich beim Meditieren in eine andere Welt flüchtet?

Ich habe eigentlich sehr lange die buddhistischen Mönche bewundert und das ganze Kung Fu und Qi Gong – ich war ein Fan davon. Als Kind hab ich mir den Satz aufgeschrieben “In der Ruhe liegt die Kraft”. Ich glaube inzwischen, dass das nicht stimmt 😀 Ich denke, im TUN liegt die Kraft. Von mir aus im ruhigen Tun. Und vielleicht interpretieren wir das auch nur falsch und assozieren Ruhe mit Nichts-Tun. Denn wie soll es einem selbst oder der Welt helfen, wenn nichts dabei entsteht?

Tun statt meditieren

Wenn ich mit den Händen arbeite, etwas crafte, etwas produktives mache, von dem ich das Gefühl habe, dass es sinnvoll ist – dann entspanne ich mich dabei. Das Tun ist für mich Meditation in Reinstform. Ich habe schon bemerkt, dass man dabei in eine Art unterbewussten Zustand verfällt… möglicherweise sendet das Gehirn dann auch mehr auf Alpha-Wellen? Plötzlich kommen Erinnerungen hoch, an die ich Jahrzehnte nicht gedacht habe. Oder mein Gehirn bearbeitet unterbewusst ein Problem oder eine Frage, ohne dass ich sie bewusst im Kopf herumwälze. Sogar wenn ich krank bin, bemerke ich oft, dass mir das arbeiten und tun hilft, um mich wieder besser und erfrischter zu fühlen.

Tun statt meditierenEs ist ein eigenartiger Zustand, als ob man seinem Gehirn bewusst bei der unterbewussten Arbeit zusieht, ohne dass man etwas dafür tun muss. Und dieser Zustand ist für mich äußerst erfrischend. Ich fühle mich danach wie neu geboren, auch wenn er nur 10-20 Minuten dauert.

Ich habe auch herausgefunden, dass man beim Tun sehr schnell in diesen Zustand kommt – ganz anders beim Meditieren. Da muss ich mal eine Stunde im Bett liegen, bevor ich es irgendwie geschafft hab, meine Gedanken abzudrehen. Und dann, wenns so weit ist, schlaf ich ein. Also irgendwie versteh ich das nicht mit dem Meditieren.

Und durch das im Bett liegen hab ich jetzt ja auch nicht gelernt, wie ich mit dem Leben besser klar komme. Ist ja klar, dass alles ok ist, während man sich die Decke über den Kopf zieht.

Beim TUN lernt man, wie man das Leben praktisch angeht und dadurch wächst das Selbstvertrauen. TUN befördert einen direkt in die Welt hinein, anstatt in einen Zustand des NICHTS. Wir sind nicht im Nichts, wir sind in einer polaren Welt, die sich aus Gut und Böse zusammensetzt und da müssen wir klar kommen. Das geht nur durch Praxis und Übung.

Aktive Meditation

Macht das den Leuten wirklich Spaß, das Meditieren? Und wenn ja, was liegt diesem Spaß zugrunde, also WARUM meditieren Menschen? Ja nur, damit sie sich endlich wieder besser fühlen, oder? Oder sich erst gar nicht schlecht fühlen. Sollte man dann nicht eher die Ursachen für das schlechte Gefühl entfernen, anstatt “drüber zu meditieren”? Sollte man dann nicht eine Arbeit ausüben, einen Lebensstil pflegen, der Meditation obsolet macht bzw schon in sich behält?

Für mich ist es viel entspannender und reinigender, wenn ich ein Computerspiel spiele, wo ich mich sehr konzentrieren muss oder wie oben beschrieben, wenn ich crafte und mit den Händen arbeite. Für andere Menschen mag das vielleicht die Gartenarbeit oder Sport sein. Alles, wobei man den Körper benutzt, ist für das Tun sowieso sehr gut geeignet. Wenn man den Körper nämlich benutzt, wechselt das Gehirn anscheinend in einen anderen Zustand, ein bisschen auf Auto-Modus und unterbewusster.

Warum also nicht “aktiv meditieren”? Warum nicht durch Produktivität entspannen? Dann ist man währenddessen sogar noch nützlich und es macht sogar Spaß. Und ich bin sicher, dass man so auch einen besseren Draht zu seiner Intuition bekommt.

Deine Meinung zu dem Thema würde mich sehr interessieren!

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